Das Wichtigste in aller Kürze
Das Positive: Die Metro-Oberfläche des Microsoft Surface ist elegant, innovativ, kraftvoll und vielseitig einsetzbar. In der Hand liegend fühlt sich auch das Tablet an sich sehr kräftig und stattlich gebaut an. Es beinhaltet Office 2013 und eine große Palette an Video- und Musikdiensten. Und die beiden, für das Surface erhältlichen Keyboard Cover sind das ideale Zubehör, um auf einem Tablet zu schreiben.
Das Negative: Das Tablet liefert eine relativ schleppende Leistung, der Windows Store ist eine regelrechte Geisterstadt, Metro passt sich nicht gut an das Verhalten des Anwenders an und die Desktop-Oberfläche wirkt schwerfällig und bisweilen nutzlos.
Fazit: Wer immer zu den ersten Käufern eines neuen Technikproduktes gehören möchte und gewillt ist, nahezu alles zu vergessen, was er über die gewöhnliche Bedienung eines Computers gelernt hat, könnte mit dem Surface einen Ersatz für seinen Laptop finden. Für alle anderen heißt es: Auf weitere Apps warten.
Das Microsoft Surface
Das Microsoft Surface ist ein sehr ergiebiges Tablet, und das sollte es auch besser sein. Als einzige Hardware, die mit Microsofts neuem Betriebssystem Windows RT vom Stapel gelassen wird (Windows 8 ist seit kurzem ebenfalls auf dem Markt), dient das Tablet als eine Art Repräsentant und Aushängeschild für das enorme und riskante Wagnis eines auf Touch-Technologie ausgerichteten Windows. Das Surface zeichnet sich vor allem aus durch sein durchdachtes Design, der sinnvollen Einbindung seines Tastaturzubehörs und der Innovationen, die mit der als „Metro“ bekannt gewordenen Oberfläche einhergehen – die bedeutendsten unter ihnen: das gestengesteuerte Menüsystem, das starke Suchprogramm und das unglaublich coole und vielseitig einsetzbare Split-Screen-Feature.
Die Dinge etwas anders anzugehen hat allerdings auch eine Kehrseite. Metros Lern- und Anpassungsvermögen im Hinblick auf das Nutzerverhalten ist eher mau und wird sich auf so manch einen Anwender ernüchternd auswirken. Darüber hinaus ist der App-Support trostlos, die Leistung (vor allem dann, wenn man Internet Explorer 10 verwendet) wirkt bisweilen schleppend und das Festhalten an der traditionellen Windows-Oberfläche wirkt irritierend und völlig fehl am Platz – in etwa wie ein Gast, der sich nach Zapfenstreich weigert, das Lokal zu verlassen.
Das Surface ist nicht jedermanns Sache. Diejenigen, die an Unmengen von Apps interessiert sind, sollten sich woanders danach umsehen. Nichtsdestotrotz unternimmt das Surface einen ernst zu nehmenden Versuch, ein vollwertiger Ersatz für den heimischen Computer zu sein und trifft dabei in vielerlei Hinsicht ins Schwarze – was man von so vielen, zuvor erschienenen Tablets nicht behaupten kann.
Über das Surface
Was unterscheidet das Microsoft Surface also von anderen Tablets? Ehrlicherweise, nicht sonderlich viel. Aber diejenigen Eigenschaften und kleinen Details des Tablets, die es von den anderen abheben, haben es in sich. Auch, wenn es einem nicht gleich auffällt.
Zum einen wäre da der 10,6-Zoll-Bildschirm, den das Surface zur Schau trägt. Allein der Bildschirm ist damit rund 0,5 Zoll größer als die meisten gängigen Tablets (in vollem Umfang) und sogar 0,9 Zoll größer als der Bildschirm des Publikumsrenners iPad. Dieses riesige Display wartet mit einem echten 16:9-Bildformat auf und bringt es auf eine Bildschirmauflösung von 1366 x 768 Pixel. Dieses Bildformat entspricht dem Format der meisten Filme und TV-Serien, was dazu führt, dass störende Querbalken am oberen und unteren Bildschirmrand hinfällig werden. Obwohl es bei der Wiedergabe von Filmen, die im Seitenverhältnis 2,35:1 aufgenommen wurden, weiterhin der schwarzen Balken bedarf, so füllen diese das Bild bei Weitem nicht so großflächig aus, wie es – bei Wiedergabe desselben Films – auf einem iPad-Bildschirm mit seinem 4:3-Bildformat der Fall wäre.
[Das einzigartige 10,6-Zoll-Display des Surface in Vollansicht.]
Dann ist da noch die Rückseite des Surface, die zum geschmeidigen Äußeren beiträgt. Während das metallene Aussehen schon fast in Richtung Industrie-Look geht, erzeugen die abgerundeten Kanten ein überaus ästhetisches Gefühl. Das Tablet sieht praktisch aus, ohne dabei zu unspektakulär zu wirken. Es verleiht einem die Gewissheit, ein wirklich hochqualitatives Gerät in den Händen zu halten. Kein Wunder, schließlich hat Microsoft an allen Ecken und Enden gespart, um das Surface herstellen zu können. Apropos Ecken: Wenngleich die Ecken einigermaßen abgerundet sind, so neigen sie doch dazu, sich in gewissem Maße in die Handflächen hinein zu graben, wenn man das Tablet entsprechend mit beiden Händen festhält. Das gesamte Gehäuse ist mit einer strapazierfähigen Magnesium-Legierung (sogenanntes VaporMg) versehen, die Angaben zufolge kratz- und verschleißfest sein soll. Bei ersten Testdurchläufen zeichneten sich jedoch nach einiger Zeit schon leichte Kratzer auf dem Gehäusematerial ab.
| Microsoft Surface | Asus Transformer Tab Infinity TF700 | Apple iPad (Dritte Generation) | Samsung Galaxy Note 10.1 | |
|---|---|---|---|---|
| Gewicht in Pfund | 1,5 | 1,32 | 1,44 | 1,32 |
| Breite in Zoll | 10,8 | 10,4 | 7,3 | 10,3 |
| Höhe in Zoll | 6,8 | 7,1 | 9,5 | 7,1 |
| Tiefe in Zoll | 0,37 | 0,33 | 0,37 | 0,35 |
| Rahmenbreite in Zoll | 0,81 | 0,8 | 0,87 | 0,9 |
In der Mitte des oberen Rahmens, direkt neben einem ALS-Sensor (dieser nimmt die Umgebungsbeleuchtung wahr und reguliert die Display-Beleuchtung) sitzend, befindet sich eine 720p-fähige Kamera. Ganz rechts befindet sich der Ein-/Aus-Schalter. Einige Zentimeter unter der Kamera, auf dem unteren Rahmen, liegt der Windows-Home-Touch-Sensor, mit dem man per Knopfdruck zum Startbildschirm oder, sollte man sich schon im Startbildschirm befinden, zur zuletzt verwendeten App springen kann.
Am rechten Rand des Tablets entlang befinden sich der Lautsprecher und Anschlüsse für Micro-HDMI, USB 2.0 und Strom (die Verbindung mit dem Netzkabel erfolgt magnetisch). Auf der linken Seite befinden sich ein weiterer Lautsprecher, ein Kopfhöreranschluss und ein Lautstärkeregler. Weiter unten befindet sich eine kleine Einkerbung, aus der sich der integrierte Standfuß herauslösen lässt, um das Surface aufzustellen.
Einmal aufgerichtet, ist allerdings der microSD-Kartenleser nur noch sehr schwer zu erreichen. Am unteren Rand des Gerätes sind weitere Magnetanschlüsse für die Verbindung mit dem Tastaturzubehör (Touch Cover und Type Cover) vorhanden.
[Von links nach rechts: Lautsprecher, Micro-HDMI-Anschluss und ein gewöhnlicher USB-2.0-Anschluss.]
Wird der Stützfuß eingesetzt, so rastet er fest ein und neigt das Tablet um etwa 10 Grad nach hinten. Die Vorrichtung ist hervorragend umgesetzt. Es gibt dem Surface einen stabilen Halt und ist einfach zu handhaben. Hat man das das Tablet mit ausgefahrenem Standfuß auf dem Schoß liegend, ist es ratsam, auf eine kurze Hose zu verzichten. Die Kanten könnten sich sonst unangenehm in die Schenkel drücken. Des Weiteren kann ein zu starkes Vorbeugen dazu führen, dass der Ständer sich durch die Neigungsbewegung ungewollt wieder einklappt.

[Die eingebaute Stütze kippt das Surface um 10 Grad nach hinten.]
[Bei eingeklapptem Standfuß ist der microSD-Kartenleser versteckt.]
Das Gewicht des Surface liegt bei 1,5 Pfund (ca. 680 Gramm) und ist somit nur minimal schwerer als vergleichbare Vertreter seiner Zunft. Es wirkt etwas schwerfälliger als die meisten 10-Zoller, was gewiss auf die Eingliederung des Standfußes zurückzuführen ist. Auch wenn Microsoft sein Bestes bei der Ausbalancierung gegeben hat und Anerkennung für die Breitbildkonstruktion verdient, so fühlt sich das Surface in den Händen sperrig an. Das Arbeiten mit dem Standfuß genießt daher den Vorzug.
Das Touch Cover
Vorab sei angemerkt, dass es schon etwas sonderbar anmutet, das Touch Cover nicht ins Surface-Basispaket aufzunehmen. War es doch das vorherrschende Element in Microsofts entsprechender Werbekampagne. Und nach kurzer Anwendungszeit wird auch klar, warum es diese zentrale Bedeutung hat: Das Touch Cover (oder die andere Variante, das Type Cover) ist essenziell, um alle Vorzüge des Surface in vollem Umfang zu genießen.
Es ist sowohl Bildschirmabdeckung als auch Tastatur. Die Verbindung erfolgt magnetisch an der Unterseite des Tablets und hält felsenfest. Selbst wenn man nur das Touch Cover mit der Hand festhält und das Tablet nach unten baumeln lässt – oder gar die komplette Konstruktion herumschwenkt –, lösen sich die Bestandteile nicht voneinander ab. Wird das Zubehör zur Abdeckung über den Bildschirm gezogen, versetzt sich das intelligent konstruierte Touch Cover automatisch in den Schlafmodus und stellt die Funktion der Tasten ein. Auf diese Weise unterbindet das Accessoire unbeabsichtigte Eingaben. Dreht man es wieder in die Arbeitsposition, dauert es keine Sekunde, bis die Tastatur wieder einsatzbereit ist. Somit verpasst das Cover keinen einzigen Anschlag des Anwenders.
[Die Farbenvielfalt des Touch Cover. Einzeln kostet das Accessoire € 120.]
Microsofts Schätzungen zufolge, dauere es für die meisten Leute vier bis fünf Tage, um sich an das Schreiben mit dem Touch Cover zu gewöhnen. Dies ist eine durchaus realistische Bewertung. Die größte Schwierigkeit dürfte für viele Anwender der Umstand sein, dass die pappdünnen Tasten praktisch völlig eben sind und bei einer Eingabe die entsprechenden Tasten nicht heruntergedrückt werden, wie es bei einer gewöhnlichen Tastatur der Fall ist. Mit dem Touch Cover neigt man daher instinktiv dazu, unnötig fest zuzudrücken, was durch den Abrieb unter Umständen sogar zu wunden Fingerspitzen führen kann. Gleichwohl bekommt man nach und nach das richtige Gefühl für das Tippen auf dem Cover.
Die enorme Breite des Surface hat eine großzügige Ausgestaltung des Touch Cover ermöglicht, was sich merklich im Schreibkomfort niederschlägt. Im Gegensatz zu anderen Tablets und ihrem Tastaturzubehör bietet das Surface also eine großräumigere Fläche, um Handflächen und -gelenke schonend darauf abzulegen. Die Unterseite des in der Standardedition schwarzen Touch Cover (erhältlich sind außerdem die Farben Rot, Pink, Blau und Weiß) besteht aus einem filzartigen Material. Ist es als Abdeckung auf den Bildschirm aufgelegt, sieht es zwar nicht gerade angemessen für ein High-End-Technikgerät aus, dafür fühlt es sich umso besser an.
Was bei vielen Tablets wirklich an den Nerven zerrt, ist der Tastensound beim Tippen. Daher heißt es für einen Großteil der Tablet-Nutzer, zuallererst die Toneffekte abzuschalten. Glücklicherweise erweisen sich jene Effekte beim Surface eher als wohlwollend und rhythmisch. Aufgrund der Tatsache, dass sich die Tasten bei dem Touch Cover nicht herunterdrücken lassen, sind die Tastentöne die einzige Rückmeldung, die man beim Tippen bekommt, und mithin unerlässlich, um sich an das neuartige Schreibgefühl zu gewöhnen. Nichtsdestotrotz werden auch hier die Tastentöne nach einer gewissen Einarbeitungszeit nicht mehr vonnöten sein.
Das Touch Cover ist, wie der Standfuß, ein enorm nützlicher und leistungsfähiger Helfer, der fast schon unerlässlich für die Bedienung des Surface ist. Vor die Wahl gestellt, ist indes das $ 130 teure Type Cover zu bevorzugen. Ganz einfach aus dem Grund, weil es mit allen Vorzügen des Touch Cover daherkommt, demgegenüber aber auch mit gewohnten, herunterzudrückenden Tasten auftrumpfen kann. Das Type Cover ist nur geringfügig dicker als sein Touch-Pendant und die beste Lösung, um das volle Potential des Surface auszunutzen und so produktiv wie nur erdenklich damit zu arbeiten.
Hardware-Eigenschaften
Das Surface beherbergt einen 1,3GHz-Nvidia-Tegra-3-Prozessor – sozusagen das Gehirn des Tablets –, ist mit einem Arbeitsspeicher von 2 GB versehen und sowohl mit 32 GB als auch 64 GB Speicher zu haben. Das Surface unterstützt die Drahtlosverbindungen 802.11a/b/g/n Wi-Fi und Bluetooth 4.0., der microSD-Kartenleser erkennt Speicherkarten bis zu 128 GB. Ferner befinden sich ein gyroskopischer Sensor zur Navigation und Orientierung, ein Beschleunigungssensor und ein eingebauter Kompass an Bord. Das Fehlen von GPS fällt hingegen negativ ins Gewicht.
[Für die Anwendung unterwegs hätte eine GPS-Ausstattung nicht geschadet.]
Die Bedienoberfläche
Das Surface läuft mit Windows RT (Das Anfang nächsten Jahres erscheinende Surface Pro wird eine Vollversion von Windows 8 an Bord haben). Windows RT ist in zwei verschiedene Oberflächen aufgeteilt: eine ehemals „Metro“ genannte Oberfläche (da kein neuer Name vergeben wurde, wird hier der Einfachheit halber weiterhin der Begriff Metro verwendet), die mit den bekannten Kachelelementen ausgestattet ist und den Startbildschirm beinhaltet, und eine im Großen und Ganzen traditionelle Windows-Oberfläche namens Desktop. Desktop hält in summa die meisten Bedienfelder und Einstellung bereit, die man bei einem Windows-Betriebssystem erwarten würde. Darüber hinaus stehen eine abgespeckte Version von Internet Explorer 10 und Office 2013 Preview parat. Außerdem ist hervorzuheben, dass keine zusätzlichen Apps auf die Desktop-Oberfläche installiert werden können.
Das Äußere von Metro dürfte vor allem Besitzern einer Xbox 360 sehr vertraut vorkommen. Alle Apps werden jeweils durch ein Kachelsymbol dargestellt und können in verschiedene Gruppen unterteilt und angeordnet werden. Die Kacheln können obendrein vergrößert oder verkleinert und die Gruppen nach Belieben umbenannt werden.
Die Handhabung
Streift bzw. zieht man am rechten Rand des Touch-Displays mit dem Finger nach innen, erscheint dort eine Leiste, das sogenannte Charms-Menü. Dieses Menü beinhaltet von oben nach unten gesehen die folgenden Unterpunkte: Search, Share, Start, Devices und Settings. Jeder Menüpunkt ist kontextabhängig, d.h. abhängig davon, welche App gerade geöffnet ist. Beispielsweise werden unter „Settings“ nur die jeweiligen Einstellungen für diese bestimmte App angezeigt.
Am linken Bildschirmrand lässt sich per Touch-Navigation hin zur Bildschirmmitte die zuletzt benutzte App starten. Streift man nach rechts und dann nach links, öffnet sich eine Liste der jüngsten Apps. Am unteren Bildschirmrand erhält man Zugriff auf zusätzliche App-Optionen. Um eine App letztendlich wieder zu schließen, gleitet man von oben nach unten über den Bildschirm.
[Der Charms-Balken liefert weitergehende Informationen und Optionen für die aktuell ausgeführte App.]
Diese Systematik stellt sicherlich einen der augenscheinlichsten Unterschiede zu anderen Tablet-Oberflächen dar und bringt für die Anwender viele Neuerungen mit sich, die es zu erlernen gilt. So mancher könnte sich von der ungewohnten Handhabung entmutigen lassen. Bleibt man allerdings am Ball, wird sich einem eine, genau genommen, sehr elegante Lösung für die Bedienung der Benutzeroberfläche offenbaren.
„Search“ ermöglicht die Suche innerhalb der gegenwärtigen, primären App. Unter „Share“ kann der User Informationen der aktiven App per E-Mail-, SkyDrive- oder People-App (die sozialen Netzwerke Twitter und Facebook sind integriert) mit anderen Leuten teilen. Mit „Start“ lässt sich zwischen der „Home“-Oberfläche und der letzten App hin- und herschalten. „Devices“ verschafft einen Überblick über die mit dem Tablet verbundene Hardware, die mit der gegenwärtigen App interagieren kann (einschließlich microSD-Karten und Drucker). Und zu guter Letzt erlaubt der Menüpunkt „Settings“, neben Einstellungen für die aktuell laufende App, den Zugriff auf die Einstellungen für Drahtlosverbindungen, Lautstärke und Bildschirmhelligkeit.
Von „Settings“ aus ist auch das Menü „PC Settings“ abrufbar. Während die meisten Menüpunkte hier selbsterklärend sind, sind andere wiederum schlecht durchdacht. Zum Beispiel wirkt die Auswahl der anwählbaren Punkte in der Übersicht viel zu überladen, und man wird den Eindruck nicht los, dass einige Menüpunkte fehl am Platz sind oder sich besser zusammen mit anderen Punkten in einer anderen Kategorie befinden sollten.
Außerdem Einstellungen wie „Bildschirmschoner“, die bei der Konkurrenz für gewöhnlich einfach zu erreichen sind, beim Surface in der Desktop-Systemsteuerung verortet. Das wäre halb so schlimm, wenn das Windows Desktop überarbeitet und für die Bedienung per Touch optimiert worden wäre. So wie die Dinge aber hier stehen, erweist sich die Navigation einer herkömmlichen Windows-Oberfläche eher als frustrierendes Erlebnis.
[Die allgemeinen Einstellungen für Metro lauten „PC Settings“. Eine bessere Ausarbeitung und Strukturierung wäre durchaus wünschenswert.]
Im Übrigen erscheinen einige Funktionen nutzlos. Das Bedienfeld „Programs and Features“ erfüllt hier überhaupt keinen Zweck. Schließlich lassen sich in der Desktop-Oberfläche keine weiteren Programme installieren. Wozu dann also eine Liste der installierten Programme anbieten? Weitergehend kann man auch hinterfragen, ob der Desktop-Modus überhaupt nötig gewesen wäre. Office hätte sich zweifellos auch in die Metro-Umgebung implementiert werden können.
Microsoft würde gut daran tun, sich für die Zukunft weiter von seiner traditionellen Windows-Umgebung zu entfernen. Das Surface und auch andere Windows-Tablets, die auf der ARM-Technologie basieren, könnten davon profitieren.
[Diese Optionen wären in der Metro-Oberfläche weitaus besser aufgehoben. In den Desktop-Einstellungen wirken sie etwas deplatziert.]
Nicht gerade vorbildlich für ein Tablet
Es gibt noch eine Reihe weiterer Dinge, die auf einem Tablet eher einen ungewöhnlichen Eindruck machen. Nicht, dass das Surface dadurch zwingend eine qualitative Abwertung erfahren müsste, aber erwähnenswert sind diese Punkte allemal. Ruft man etwa ein Google Drive-Web-Dokument auf, ohne dabei Tastaturzubehör an das Surface angeschlossen zu haben, so erscheint keine Software-Tastatur auf dem Display. Stattdessen muss man diese in den Einstellungen manuell aktivieren. Bei solch einem High-End-Produkt, für das ein enormer Finanzaufwand betrieben wurde, möchte man doch meinen, dass der Benutzerfreundlichkeit ein höherer Stellenwert beigemessen würde. Auch wenn es sich nur um vermeintliche Kleinigkeiten handelt.
[Die automatische Software-Tastatur verweigert ihren Dienst.]
Ein anderer Schönheitsfehler zeigt sich beim Herunterladen einer App. Ist der Download abgeschlossen, gibt es keine Möglichkeit, die heruntergeladene App aus dem App-Store heraus zu starten. Erst muss die Download-App beendet, die heruntergeladene App auf dem Startbildschirm herausgesucht und dann gestartet werden. Wiederum nur ein kleiner Fehler im Detail, aber auch diese Unannehmlichkeit zeigt, dass der Windows Store den Vergleichsportalen Google Play und Apple App Store noch hinterherhinkt.
Auch der Umstand, dass kein Bestätigungsfenster bzw. keine Meldung erscheint, wenn der Ausschalter zum Herunterfahren des Systems betätigt wird, zeigt, dass Luft nach oben ist. Das Tablet schaltet sich einfach ab. Als wäre das nicht schon genug, fehlt eine Akkuanzeige auf dem Startbildschirm. Und wenn diese dann doch einmal erscheint – zum Beispiel beim Aufruf des Charms-Menüs –, gibt die Anzeige keinen prozentualen Wert wieder. Um prozentuale Informationen über die Batterie zu erhalten, muss man abermals auf das Windows-Desktop zurückgreifen.
Die Apps
In der heutigen Zeit sind Apps das Lebenselixier eines jeden Tablets. Ohne ständigen und qualitativen Nachschub verliert ein Großteil der Kunden ziemlich schnell die Lust an dem mobilen Gerät. Jedoch gibt es ohne Frage auch diejenigen Nutzer von Tablets, die ohne großen Schnickschnack auskommen; die unterwegs E-Mails lesen, einen Teil ihrer Arbeit erledigen oder womöglich den einen oder anderen Film schauen wollen.
Es ist davon auszugehen, dass der Windows Store nach und nach Apps nachschieben wird und mit der Zeit einen mehr als zufriedenstellenden Umfang erreichen wird. Derzeit ist die Lage reichlich dürftig. Potentielle Kunden, die nach einer Plattform mit unzähligen Apps Ausschau halten, werden für’s Erste wohl noch auf das iPad oder anderweitige Android-Tablets zurückgreifen.
Video und Musik
„Xbox Video“ beinhaltet eine große Auswahl an Filmen und TV-Serien, die als HD- und auch SD-Variante zur Verfügung stehen. Die Inhalte können wahlweise gemietet oder käuflich erworben werden. Preislich bewegt sich das Angebot auf der gleichen Ebene wie bei den konkurrierenden Portalen Google Play, iTunes und Amazon Prime. Wer eine Xbox sein eigen nennt und diese mit dem Surface synchronisiert, kann die Inhalte auch über die Konsole abspielen. Freilich lohnt sich auch hier genaues Hinschauen: Denn ein HD-Video, das auf dem Tablet kristallklar wiedergegeben wird, kann auf einem 40-Zoll-Display durchaus körnige Elemente aufweisen.
Mithilfe von „Xbox Music“ können User kostenlos auf bis zu 30 Millionen Lieder zugreifen und diese streamen. Der „Preis“, den man für den Gratiszugriff zahlen muss, besteht aus gelegentlichen Werbeeinblendungen, die es anzuhören gilt. Ein werbefreier Musikgenuss kostet $ 9,99 pro Monat. Einzelne Songs können zudem natürlich erworben und auf das Surface oder die Xbox gestreamt werden. Besonders hervorzuheben sind zum einen die gewaltige Auswahl an Liedern in der Bibliothek und zum anderen die Geschwindigkeit beim Wechsel von einem Lied zum nächsten. Verzögerungen durch das Streamen sind dabei nicht feststellbar.
Der Internet Explorer
Sofern es den Internet Explorer betrifft, lassen sich zwei verschiedene Versionen festmachen: eine Desktop-Variante und eine Metro-Variante. Die Desktop-Version scheint genauso auszusehen wie der aktuelle Internet Explorer 9 unter Windows 7; optisch entspricht sie jener Version sowohl im Hinblick auf die Oberfläche als auch hinsichtlich der Optionen.
Der Internet Explorer 10 Metro sieht im Vergleich zu anderen Internet Browsern in mancherlei Hinsicht fremdartig aus. Zum einen wäre da der gewöhnungsbedürftige Umstand, dass sich die Adressleiste am unteren Bildschirmrand befindet. Zudem werden die Adressleiste und alle offenen Tabs ausgeblendet, bis man sie durch die Navigation über das Touch-Display hervorruft. Eine zugegebenermaßen tolle Funktion ist das „Flip Ahead“, das bei Aktivierung das Lesen von Webseiten mit weiterführenden Artikeln, Seiten oder Links flüssiger gestaltet.
In punkto Geschwindigkeit ist der Internet Explorer 10 eher schwerfällig, besonders gemessen an den Vergleichswerten des Safari auf dem iPad. Während bei Probedurchläufen zwar diverse Seiten ungefähr gleich schnell geladen wurden, war das iPad dem Surface auf anderen Seiten um bis zu neun Sekunden voraus. Insgesamt lässt sich statuieren, dass die Geschwindigkeit des Browsers in der Regel ausreichend ist, sich aber immer wieder das Gefühl einstellt, als könnte es schneller gehen, mit anderen Worten, als müsse man länger warten als woanders. Es gibt noch einen weiteren, ungewöhnlichen Faktor, der den ungeduldigen Internetsurfer darüber hinaus auf die Palme bringen könnte:
Bis eine Webseite vollständig geladen ist, sind keine Links sichtbar und besteht keine Möglichkeit, auf der Seite schon mal nach unten zu scrollen. Das führt im Endeffekt zu noch längeren Wartezeiten. Und zu guter Letzt besteht beim Browsen mit dem Internet Explorer das Manko, dass nur bei Internetseiten, die durch Microsoft bestätigt wurden, der Gebrauch von Flash möglich ist. In diesem Kontext ist derzeit noch nicht sehr vielen Seiten grünes Licht gegeben worden. Wer das Surface als vollwertigen Ersatz für seinen Laptop oder Desktop-PC nutzen möchte, sollte dies dementsprechend bedenken.
Microsoft Surface Asus Transformer Pad Infinity TF700 Apple iPad (Dritte Generation) Samsung Galaxy Note 10.1
surfacetablets.de Ladezeit 10,66 7,88 3,98 5,6
tablet-fun.de Ladezeit 6,99 7,98 5,2 4,9
Die Performance
Das Surface protzt mit einem sehr hellen IPS-Bildschirm mit beeindruckend weitem Bildbetrachtungswinkel. Auch der hohe Kontrast ist sehr bemerkenswert. Lediglich die Farben wirken im Webseitenvergleich mit dem iPad und dem Asus Transformer Infinity bisweilen gedeckt. Trotz seiner niedrigeren Auflösung ist die Textklarheit auf dem Surface nur minimal niedriger als es auf den zum Vergleich herangezogenen Geräten der Fall ist. Die Unterschiede erschließen sich nur bei mikroskopisch genauem Hinsehen. In jedem Fall hat Microsoft bei der Optimierung des Displays sehr gute Arbeit geleistet. Das Tablet hat keine Probleme bei der Darstellung klarer Bilder.
Microsoft Surface Asus Transformer Pad Infinity TF700 Apple iPad (Dritte Generation) Samsung Galaxy Note 10.1
Max. Helligkeit IPS-Modus (Super IPS) 391 cd/m2 422 cd/m2 (644 cd/m2) 455 cd/m2 411 cd/m2
Standard-Helligkeit 148 cd/m2 112 cd/m2 160 cd/m2 175 cd/m2
Max. Schwarzpegel IPS-Modus (Super IPS) 0.27 cd/m2 0.34 cd/m2 (0.53 cd/m2) 0.49 cd/m2 0.47 cd/m2
Standard-Schwarzpegel 0.10 cd/m2 0.10 cd/m2 0.17 cd/m2 0.22 cd/m2
Standard-Kontrastverhältnis 1,480:1 933:1 941:1 874:1
Max. Kontrastverhältnis IPS mode (Super IPS) 1,448:1 1,241:1, (1,215:1) 939:1 795:1
Das Touch-Display reagiert alles in allem gut auf die User-Navigation. Das anscheinend am häufigsten auftretende „Versehen“ bei der Bedienung des Displays ist das unbeabsichtigte Öffnen einer App, obwohl man eigentlich nur daran vorbeiziehen wollte. Hin und wieder benötigt auch die Home-Taste ein zusätzliches Drücken, bevor sie wie gewünscht reagiert.
Beim Laden der Apps liefert das Surface nicht gerade Referenzwerte, die Ladezeiten könnten folglich noch verbessert werden. Des Weiteren scheinen sich eventuell auch ein paar Bugs eingeschlichen zu haben. Manche Änderungen an den Einstellungen finden erst nach einem Neustart Anwendungen. Obendrein wurde auch schon von einem verschwundenen Cursor berichtet, der gleichermaßen erst wieder nach dem Neustart vorhanden war.
Für die 3D-Leistung konnte derweil noch kein genauer Vergleich der Plattformen unternommen werden, da den Tablets noch nicht die gleichen Spiele herangezogen werden können. So ist beispielsweise das Spiel Riptide nicht im Windows Store erhältlich. Ein 3D-Test des ähnlichen Spiels Hydro Thunder liefert indes annähernd gleiche Screen-Splash-Effekte, wohingegen die Frame-Rate bei 25 FPS ausgeschöpft zu sein scheint. Dieser Wert liegt unter der durchschnittlichten Frame-Rate, die das Spiel Riptide auf anderen Tegra-3-Prozessor-Tablets erreicht. Aber wie schon gesagt, bevor nicht ein Spiel auf allen Tablets verglichen werden kann, lässt sich keine aussagekräftige Bewertung abgeben.
Die Kameras des Surface sind solide. An den eingefangenen Videos und Bildern gibt es nicht zu beanstanden. Auf der anderen Seite erfinden sie das Rad nicht neu.
Schlussendlich ist da noch die Akkulaufzeit. Diese scheint ordentlich zu sein, der Akku hält bei recht durchgehendem Gebrauch des Tablets einige Stunden durch. Gewiss tauchen in Kürze auch offiziell getestete Werte im Internet auf.
Abschließende Bewertung
Ob das Surface seinen Preis nun wert ist oder nicht, muss grundsätzlich jeder für sich entscheiden. Aber kann es ein Notebook vollwertig ersetzen? Hier lautet die Antwort wohl: Bislang noch nicht. Dafür ist die Schwerfälligkeit bei der Performance stellenweise zu frappierend, insbesondere bei der Verwendung des Internet Explorer 10. Der Internet Explorer ist hier überhaupt sehr glanzlos, vor allem im Bereich der Flash-Unterstützung. Im Hinblick auf die Apps besteht ebenfalls Nachholbedarf. Dies mag sich in naher Zukunft ändern, aber derzeit gleicht der App-Store einer Wüstenlandschaft. Beim Umstieg von iOS- oder Android-Geräten auf das Surface ist überdies mit einer gewissen Eingewöhnungsphase zu rechnen, was allerdings nicht sonderlich negativ ins Gewicht fallen sollte. Auch auf ein paar Features, die man von anderen Tablets gewohnt ist oder bei einem Tablet voraussetzt, muss man bei dem Surface möglicherweise verzichten. Oder sie sind so tief verborgen, dass man sich erstmal auf eine Odyssee in die Gefilde einer überholten Windows-Oberfläche begeben muss.
Demgegenüber stellt das Surface in Verbindung mit dem Keyboard Cover die perfekte Arbeitsumgebung dar. Hier erweist es sich als führend auf dem Tablet-Markt. Außerdem bietet der Split-Screen-Modus Freunden des Multitaskings sicherlich viel Spaß. Wer keine überhöhten Anforderungen an die Multimedia-Ausstattung (Filme, TV-Serien, Musik und gelegentliches, einfaches Spielen) stellt, wird auch in dieser Sektion zufriedenstellend bedient werden. Display und Kamera halten nach dem derzeitigen Stand der Dinge ebenfalls jedem Vergleich stand.
Wie dem auch sei, solange die vorhandenen Probleme nicht ausgemerzt werden, stellt das Microsoft Surface noch keinen gleichwertigen Laptop-Ersatz dar. Dies mag in ein paar Monaten allerdings schon ganz anders aussehen, sollte Microsoft auf entsprechendes Kunden-Feedback reagieren. Von daher ist es ratsam, immer wieder mal Augen und Ohren offen zu halten.












